Quartierskonzept

Von Friedhelm Caspari

 

 

Der Stand heute: Insgesamt rund 1.400 Haushalte zählen die drei „Quartiere“ Hürup, Maasbüll und Husby, in denen allein jährlich etwa 3,5 Millionen Liter Heizöl im Wert von bis zu drei Millionen Euro klimaschädlich verbrannt werden. Zudem muss das Öl nicht gerade umweltfreundlich angeliefert werden. Der zukünftige Idealfall für die drei Orte sieht so aus: Die Gebäude werden an ein regionales Leitungsnetz angeschlossen und mit naher klimaneutraler Fernwärme aus einem Gebiet – der früheren Marinefunkstation - inmitten der drei Gemeinden heraus zentral versorgt, und das zum garantierten Mehrjahrespreis. Wichtig ist dabei auch, dass die Wertschöpfung in der Region bleibt.  Doch bis dieser das schädliche Gas CO2 wegsparende regionale Weg verwirklicht ist, werden noch einige Jahre ins Land gehen, wurde auf der informativen Auftaktveranstaltung für die energetischen Quartierskonzepte im Amt Hürup deutlich. Die Konzepte, unterstützt von hoher öfffentlicher Förderung, sind wiederum in die Zielsetzungen der Klimaschutzregion Flensburg eingebunden, die 34 Gemeinden umfasst.

 

„Wir möchten die Uhr unbedingt zurückdrehen“, sagte Christian Janout, Wirtschaftsingenieur und Geschäftsführer von Boben Op, einem genossenschaftlichen Unternehmen für regenerative Energieprojekte in Hürup. „Denn wir haben die Vision, negative Klimaauswirkungen zu begrenzen und langfristig zu neutralisieren, das heißt Immissionen, die bereits erfolgt sind, wieder zurückzuholen.“ Dass sich bereits etwas in diese Richtung lokal bewegt, wird durch die kleinräumige Versorgung mit Biogas in Maasbüll und demnächst auch in Ausacker sowie mit einem besonders fortschrittlichen Wärmeprojekt im Neubaugebiet Bregning-West in Husby deutlich. Zunächst eher symbolisch sichtbar wird in diesen Tagen auch die Ausstattung des künftigen Energieparks auf dem Konversionsgelände. Hier entsteht eine erste Fläche mit Solarkollektoren, ein Teil des künftigen Mixes von mehreren Möglichkeiten der modernen klimaneutralen Energiegewinnung.

 

Der Saal beim Informationsabend platzte mit rund 200 Besuchern aus allen Nähten. Die Teilnahme und die Breite der Fragestellungen signalisierte das äußert große Interesse an den Quartierskonzepten. Außer der umweltfreundlichen künftigen Energieversorgung halten drei Viertel derer, die an drei Meinungstafeln ihre Antworten geben konnten, eine langfristige Kostenstabilität bei der Hauswäremversorgung für wichtig. Mehr als 90 Prozent der Haushalte benötigen zurzeit noch Heizöl und Erdgas, beides klimatisch störende Quellen, deren Preise zudem unsicheren Schwankungen unterliegen. Dabei ist bekannt, dass die privaten Haushalte regional und weltweit zu mehr als 50 Prozent zur CO2-Anreicherung beitragen, unterstrich Jürgen Meereis von der Kieler Unternehmensgruppe IPP ESN Power Engineering, die zum Prozess der auch Tastrup erfassenden Quartierskonzepte beiträgt. 

 

Zu den Konzept-Aktivitäten steht anfangs die jetzt beginnende Bestandsaufnahme zur Frage, wie die vorzugsweise älteren Gebäude in den Quartieren energetisch beschaffen sind und versorgt werden.  Dafür wurden auf der Start-Info Fragebögen verteilt. Diese können auch bei der Amtsverwaltung angefordert werden. Denn eines ist bereits deutlich geworden: Bei den meisten privaten Hauseigentümern – schätzungsweise 60 Prozent - kommen deren Heizungsanlagen inzwischen in die Jahre und müssen in absehbarer Zeit ausgetauscht werden. Da stellt sich jetzt schon brennend die Frage, ob sich die konventionelle Umrüstung und Investition von durchschnittlich 10.000 Euro noch lohnt, wenn eine zukunftsträchtige alternative Lösung vor der Tür steht. Andererseits können die Initiatoren jedoch zeitlich noch nichts Konkretes versprechen.

 

Christian Janout von Boben Op sprach vom Aufbau von sogenannten Wärme-Inseln als erster Umsetzungsschritt für eine zentrale nahe Fernwärmeversorgung. Diese kleineren, vor allem auf solarthermisch-regenerativer Energiequelle basierenden Wärmeerzeuger würden dann zu einem Versorgungsnetz verknüpft. Bürgermeister Burkhard Gerling (Husby) hatte eine weitere Idee parat: Als Übergangslösung könnten neue Heizungen, die künftig an das zentrale umweltfreundliche Netz angebunden werden, vorübergehend von mobilen Erzeugungsstationen versorgt werden.

 

Für den Fortgang der Quartierskonzepte wurden örtliche Lenkungsgruppen eingerichtet. Die Projekte werden von einer Arbeitsgemeinschaft aus IPP ESN, wortmann-energie und E/M/N aus Kiel und Husum erarbeitet. Im Sinne der Energieeinsparung und Verbesserung der CO2-Bilanz werden für alle Quartiere einfache Maßnahmen zur Verbrauchsreduzierung, wie etwa Heizungsregulierung oder Lüftungsverhalten, sowie langfristig sinnvolle Investitionen z.B. in Wärmedämmung aufgezeigt. Dazu werden jetzt in jeder der vier Gemeinden (Husby, Hürup, Maasbüll und Tastrup) drei kostenlose Muster-Sanierungsberatungen erstellt, die exemplarisch auch für die andere Häuser Einsparmöglichkeiten aufzeigen. Anfang des nächsten Jahres sollen die konkreten Konzepte fertiggestellt sein sowie auch die genauen Fördermöglichkeiten und weiteren Schritte der Umsetzung feststehen.