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Shared Space

Neue Dorfmitte – gemeinsam erarbeitetes Ziel

„Der Begriff Shared Space ist tot“ – Spannung vor der Gemeindevertretersitzung am 2. April

Von Friedhelm Caspari

Anstelle von Shared Space steuert nun die Gemeinde Husby nachdrücklich eine einvernehmliche Lösung an: „Verkehrsberuhigung der durchführenden L 21, Verschönerung des Ortskerns, Beseitigung von Gefahrenpotentialen, Sicherung privater Anliegerinteressen und möglichst kostengünstig“ lauten die Stichworte für das von Befürwortern und Kritikern des Shared Space gemeinsam erarbeiteten Ziels. Jeweils sechs Delegierte hatten sich am 17. März an einen Tisch gesetzt und vier Stunden beraten. „Wir hoffen, dass wir eine vernünftige Lösung gefunden haben, die wir alle akzeptieren können“, sagte Peter Andresen, Sprecher der Initiativgruppe, die auch das Bürgerbegehren gegen Shared Space betreibt, am vergangenen Sonntag bei ihrem erneuten Informationstreffen. „Der Begriff Shared Space ist jedenfalls tot“, so Andresen.

Einzelheiten des Kompromisses in gekürzter Form: Anhebung der Fahrbahn der L 21 im Ortskern auf rund 130 Meter. Die Teilstrecke soll heller asphaltiert werden, um optisch zu signalisieren, dass es um eine besondere Straßenführung handelt. Keine Bordsteine zwischen Straße und Bürgersteigen. Hinzu sollen Elemente einer Dorfplatzgestaltung kommen. Herabsetzung der zugelassenen Höchstgeschwindigkeit von 50 auf 30 Stundenkilometer im besagten Raum, und zwar nicht als sogenannte 30-er Zone, sondern als innerörtlich streckenbezogene Maßnahme. Grund dafür ist das Pflegeheim „Lichthof“. Damit sollen Passanten, die meist älter sind, die Straße über einen Zebrastreifen möglichst sicher überqueren können. Ansonsten bleibt die Verkehrsregelung wie sie ist.

Diese verkehrsberuhigte Teilstrecke sowie die Straßenführung L 21 nach Westen bis zur Kreuzung Ortsmitte (Flensburger/Glücksburger Straße) sollen laut den bisherigen Kompromissplänen - abgesehen von der Verkehrshoheit - umgewidmet werden, und zwar von der Zuständigkeit des Landes in die der Gemeinde Husby. Das würde bedeuten, dass die Gemeinde zusätzlich zur Neugestaltung der Dorfmitte einen abgespeckten Kreisverkehr statt Kreuzung planen und realisieren könnte. Der Vorteil wäre, dass die Gesamtmaßnahme einschließlich Mini-Kreisel mit maximal 750.000 Euro bezuschusst werden könnte. Bei bisher errechneten Gesamtkosten von bis zu einer Million Euro würden auf die Kommune rund 250.000 Euro als Finanzierungsanteil entfallen.

Bereits seit 2015 wird über das Projekt einer beruhigten, für alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt zu nutzenden Verkehrszone in Husby gesprochen, die in ihrer Art beispielhaft für den ländlichen Raum Schleswig-Holsteins sein sollte. Die Ideen mehrerer Workshops mündeten 2017 in einer Machbarkeitsstudie. Diese sollte als Grundlage für weitere Planungsschritte dienen. Das erfolgreiche Bürgerbegehren machte dann Anfang 2019 der Gemeindevertretung, die sich bisher fast geschlossen und überparteilich für Shared Space einsetzte, einen ersten Strich durch die Rechnung.

Nun wird mit Spannung auf die entscheidende Sitzung der Gemeindevertreter am 2. April gewartet. Akzeptieren diese mehrheitlich das Vorhaben der Verkehrsberuhigung und Attraktivitätssteigerung ohne wesentliche Einschränkungen des durchführenden Kfz-Verkehrs, dann wird Shared Space ad acta gelegt und das Bürgerbegehren zurückgezogen. Gibt es eine Mehrheitsentscheidung für das ebenfalls noch vorliegende Projekt, dann kommt es zu einem Bürgerentscheid mit der Ja/Nein-Frage an die Wahlberechtigten: „Soll das Projekt Shared Space in der Gemeinde Husby im Verlauf der L 21 gestoppt werden?“ Diese Abstimmung könnte parallel zur Europawahl im Mai erfolgen.              

Geteilte Meinung zum „Geteilten Raum“

Bericht von Friedhelm Caspari über den Bürgerworkshop vom 17.09.17

 

Geteilte Ansichten zum „Geteilten Raum“ (Shared Space“), dem Projekt zur Attraktivitätssteigerung des Ortskerns und zur Verkehrsberuhigung in Husby. Der letzte Bürgerworkshop mit den Fachleuten des internationalen Entwicklungsbüros SWECO endete mit der Erkenntnis, dass noch alles offen ist. Bei der bisherigen Vorplanung handelte es sich lediglich um eine Machbarkeitsstudie, resultierend aus den drei Bürgerworkshops. Daraus ergeben sich nun weitere Detailschritte mit Beteiligung aller Interessenten.

Nichts werde über die Köpfe betroffener Anwohner hinweg geschehen, machte Bürgermeister Burkhard Gerling vor den rund 70 Teilnehmern klar. Ergänzend appellierte der Workshop-Moderator und Leiter der Studie, der Verkehrsplaner und Ingenieur Prof. Carsten-Wilm Müller (Bremen): „Kämpfen Sie nun für eine gute Lösung, aber nicht gegeneinander, sondern miteinander!“

Die vorerst letzte gemeinsame Diskussionsrunde ergab dieses Bild: Für eine Verkehrsberuhigung und Verschönerung der Innenortsituation in Husby gibt es grundsätzlichen Zuspruch. Jedoch formierte sich inzwischen gegen das für den Dorfkern vorgeschlagene Shared Space sowie straßenbauliche Veränderungen im Bereich des Speicherhus eine kleine Gruppe von Bedenkenträgern. Deren Kritik betrifft insbesondere die Verengung der Fahrbahnen, was die Passage von größeren land- und bauwirtschaftlichen Fahrzeugen erschwere. Befürchtet wird zudem, dass noch mehr Autofahrer als bisher zu Lasten der Anwohner in den Nebenstraßen die bekannten Abkürzungen bzw. künftige Umfahrungen der Flensburger Straße (L 21) im Ortsinneren nehmen könnten, obwohl hier bereits weitgehend Tempo 30 vorgeschrieben ist.

Die geplante innerörtliche Verkehrsberuhigung der L 21 dürfte für Kraftfahrer wegen der relativ kurzen Strecke jedoch lediglich zu Sekunden oder in ungünstigsten Fällen – z. B. durch Wartezeiten hinter Bussen - zu einminütigen Verzögerungen führen, rechnete Prof. Müller vor. Ob sich da vermeintliche Abkürzungen oder Umwege lohnten, sei höchst fraglich.

Bürgermeister Gerling zerstreute Gerüchte, die Hauseigentümer der betroffenen Strecke würden zu Ausbaubeiträgen herangezogen, sogar von drohender Enteignung von Grundstücksteilen sei die Rede gewesen. Ausbaubeiträge werden nicht erforderlich sein, weil es sich nicht um Grundstückserschließungen handele. Und falls wenige Quadratmeter privater Fläche für einen verkehrlichen Umbau erforderlich seien, so werde rein gar nichts zwangsweise unternommen, so Gerling. Mit jedem betroffenen Anlieger würden nun zunächst Gespräche geführt.

„Ob es nun so wie vorgedacht oder überhaupt dazu kommt, ist völlig offen“, sagte Gerling. Die Gemeindevertretung beschließe jedenfalls erst dann über das Projekt, wenn die gesamte Planung nach Weiterführung der Bürgerbeteiligung stehe. Das könne bis zur Verwirklichung, so schätzte Prof. Müller, frühestens in zwei Jahren sein.

Unabhängig der künftig möglichen Verkehrsberuhigung, wozu auch der Kreuzungsbereich Flensburger/Glücksburger Straße zählt, werden in Husby demnächst Fahrradstreifen markiert. Diese Maßnahme diene der besseren Verkehrssicherheit, kündigte Karl-Heinz Roos (Leiter der Flensburger Niederlassung des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr) an.

 

Machbarkeitsstudie Shared Space