Link verschicken   Drucken
 

Magere Zwischenbilanz für den Dorfshuttle im Amt Hürup

01.09.2019

Von Friedhelm Caspari

Taxifahrerin Petra Gehrke hält pünktlich um 14.05 Uhr am Bahnhof in Husby, um einen Fahrgast mit dem von ihm bestellten Dorfshuttle mit Ziel Holmarksee bei Freienwill aufzunehmen. Der Mann aus Husby ist an diesem Tag der einzige, der vom Taxiunternehmen Lange zum Einzelfahrpreis von 2,60 Euro zum Naturschwimmbad gebracht wird. „Gerade diese Tour ist doch äußerst praktisch für Kinder und Jugendliche, schade, dass der Dorfshuttle nicht von ihnen genutzt wird“, klagt die 53-jährige routinierte Taxifahrerin Gehrke, „zumal doch die Schülerzeitkarten gelten, also die Fahrt nichts extra kostet“. Auch alle anderen Dauerkarten Erwachsener gelten für den Rufbus.

Das seit Februar als Pilotprojekt installierte System Dorfshuttle läuft als solches unproblematisch. Jedoch lassen die Nutzerzahlen nach einem halben Betriebsjahr noch sehr zu wünschen übrig. „Wir brauchen offenbar etwas mehr Geduld“, sagt Torsten Düwel, Regionalentwickler in der Schleswiger Kreisverwaltung. Die Fahrgastmenge liege „noch deutlich hinter dem, was wir wünschen.“ Vielen sei, so Düwel, trotz aller Werbetrommeln und Informationen, der prinzipiell einfach zu nutzende und zuverlässige Dorfshuttle als Bestandteil des regionalen ÖPNV zu wenig bekannt. „Wir ziehen zwar alle Register“, doch sei die eigentliche Zielgruppe, die keine eigenen Verkehrsmittel zur Verfügung haben, noch nicht richtig erreicht worden. Dieses seien vorwiegend ältere Menschen, aber auch junge Leute ohne Führerschein und Fahrzeug.

Nach Angaben Torsten Düwels, die Petra Gehrke bestätigt, gibt es bereits mehrere Dorfshuttle-Stammgäste, die aber den sprichwörtlichen Kohl nicht fett machen. Dieses sind mehrere ältere Frauen, die zum Einkauf nach Hürup und Husby gefahren werden, sowie Sprachkurse absolvierende Asylbewerber. „Der Bedarf wurde in unserem Konzept klar formuliert“, sagt ÖPNV-Experte Düwel. Die preisgünstige und schnelle Alternative zum Individualverkehr sollte eigentlich beliebter sein, zumal der Dorfshuttle auch während der Schulferien sowie samstags und sogar sonntags eingesetzt werde.

Bis Ende 2020 läuft das Modellprojekt, das aus dem ÖPNV-Mitteln des Kreises unterstützt wird. Bewähre es sich bis dahin, dann könnte es auf die anderen Ämter im Kreisgebiet übertragen werden. Schleswig-Flensburg ist einer von bundesweit 18 Modell- und Testregionen des Förderprogramms „Langfristige Sicherung von Versorgung und Mobilität im ländlichen Raum“ (Kurzbegriff: LaSiVerMob). Dabei geht es unter anderem darum, möglichst viele infrastrukturell unterversorgte Gebiete mit neuen Verkehrsangeboten zu versehen. In diesem Rahmen wurde der Rufbus seit 2017 konzeptioniert.

Der Dorfshuttle bedient eine hufeisenförmige Strecke von Freienwill über Kleinsolt, Maasbüll, Rüllschau und Gremmerup bis Husby und zurück. Insgesamt steuert der Kleinbus 20 Haltestellen an. Täglich, einschließlich sonnabends, gibt es fünf Touren in jeder Richtung sowie zwei Touren an Sonn- und Feiertagen (außer Heiligabend und Silvester). Die Shuttle-Fahrkarte gilt dann auch für die weiterführende Buslinie, z. B. nach Flensburg. Zugfahrten sind jedoch nicht im Preis enthalten.

Dienstleister des Systems, für das es einen festen Fahrplan gibt, ist das regionale Taxiunternehmen von Heiko Lange. Die Nutzung des Dorfshuttle ist nur dann möglich, wenn mindestens eine Stunde vor der im Fahrplan angegebenen Abfahrtszeit der Fahrt- und Zielwunsch unter der Rufnummer 04634 - 8888 mitgeteilt wird. Dann begibt man sich zur festgelegten Abfahrtszeit an die vereinbarte Haltestelle und steigt ein.

Der aktuelle Flyer mit Fahrplan und genaue Informationen im Internet (www.dorfshuttle.de). Die Infos liegen außerdem in vielen Geschäften und bei Firmen aus.

 

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: Magere Zwischenbilanz für den Dorfshuttle im Amt Hürup